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Der grüne Faden

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"Der Grüne Faden"

Nordbayerischer Kurier/ Dienstag, 7.März 2017

DER GRÜNE FADEN: Auf seinem Biobauernhof leben die Kühe zusammen mit ihren Kälbern auf der Weide und
die Milch zum Kaffee kommt aus dem Tetrapak. Weil Manfred Zapf seinen Betrieb ganz konsequent umgestellt hat.
Seine Angusrinder kann er bei ihrem Namen rufen.







Na, neugierig? Die Angus-Kälber Rea, Madonna und Adele aus dem Jahrgang 2016/17 haben zu ihrem Bauern Manfred Zapf vollstes Vertrauen
und möchten natürlich ganz genau wissen, was er da mit dem Grünen Faden in ihrem Stall macht.




Ein wunderbarer Schritt ins Ungewisse

Manfred Zapf stellte vor drei Jahren von konventioneller Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung um und bereute es keinen Tag


BAYREUTH
Von Anne Müller
( Fotos: Andreas Harbach )


Große Augen, die gibt es am Hilpertsgraben öfter. Wenn Kinder oder Wanderer vorbeikommen,
nimmt sich Manfred Zapf, so oft es geht, Zeit und beantwortet ihre Fragen. Was denn das
für Kühe sind? Angusrinder. Warum dieTiere alle miteinander auf der Weidestehen? Weil in der
Mutterkuhhaltung die Kälber von ihren Müttern nicht getrennt werden. Und wo denn die Melkma-
schine stehe? „Die gibt es bei uns nicht mehr“, sagt Manfred Zapf. Und erlacht, beim Gespräch für
den Grünen Faden ebenso wie immer wieder auchmal im Gespräch mit Besuchern. „Die Milch von
unseren Kühen kriegen die Kälber, so wie es von der Natur vorgesehen ist.“ Der 52-Jährige hat
seinen Betrieb vor drei Jahren von konventioneller Milchwirtschaft auf die bio-zertifizierte Mutterkuh-
haltung mit Angusrindern umgestellt. Dafür gab es mehrere Gründe: „Unser Betrieb war relativ
klein, und auf Dauer hätte sich das nicht mehr gerechnet. Und es wurde immer deutlicher, dass ich
die Arbeitsbelastung nicht mehr lange schaffen würde.“

Auf dem Hof am Hilpertsgraben ist eraufgewachsen, er hat miterlebt, wie viel Zeit und Engagement
der Hofalltag über die Jahreszeiten fordert und wie wenig Zeit für einen selber und die Familie bleibt.
Über 14 Jahre hatte Manfred Zapf als Betriebshelfer gearbeitet und auf vielen Höfen im Bayreuther
Umland mit angepackt, wenn Not am Mann war. In diesen Jahren bekam er viel mit, einiges war schön,
anderes weniger, und in ihm wuchs eine Überzeugung: „Je größer ein Betrieb war, desto weniger gern
machte ich den Beruf als Betriebshelfer. Ich sah es einfach nicht als gutes Ziel an, immer weiter zu
investieren.“ Nach wie vor steht er in engem Kontakt mit vielen Berufskollegen und Landwirten, denen
er einmal als Betriebshelfer zur Hand gegangen war. Ihre Sorgen kennt er zu gut aus eigener
Erfahrung, und auch wenn die konventionelle Landwirtschaft kein schlechtes Fleisch hervorbringt –
seine Welt ist sie nicht mehr. Ein weiterer Grund für den Wechsel zur Mutterkuhhaltung war die ihm
unverständliche Haltung vieler Verbraucher zu Lebensmitteln. Nur billig, fährt er fort, sei eben nicht die
Richtung, die er als Landwirt guten Gewissens vertreten könne. „Ich wollte nicht mehr für Verbraucher
produzieren, die meine Produkte nicht wertschätzen. Aus diesem Zirkus bin ich nun raus.“
Der Schritt hin zum Biobauernhof war nicht spontan, sondern wohlüberlegt. Zusammen mit seiner
Frau Inge, die als Hauswirtschafterin arbeitet und den Produktverkauf ab Hof regelt, und den zwei
Töchtern Kristina und Annika kalkulierte er die große Veränderung durch. Doch eines konnte er nicht
kalkulieren: ob die potenzielle Kundschaft die teureren Fleischprodukte annehmenund kaufen würde.
Ob er mit diesem Landwirtschaftsmodell überleben würde. 2014 war das große Jahr der Veränderungen.
Als Manfred Zapf davon erzählt, hat er einen hochzufriedenen Gesichtsausdruck: „Ich habe noch
keinen Tag bereut, dass ich umgestellt habe. Der Beruf des Landwirts, so wie ich ihn heute ausführe,
ist ein echter Traumjob.“ Im Februar 2014 tranken er und seine Familie das letzte mal Milch aus
eigener Herstellung, seitdem mussten sie sich an die aus dem Tetrapak gewöhnen. Im Stall stehen
seither immer mehr Angusrinder, die der gesamten Familie sehr ans Herz gewachsen sind.

Tochter Annika, die als Grundschullehrerin in Garching arbeitet und regelmäßigdie Wochenenden
und die Ferien daheim verbringt, sieht die Tätigkeit ihres Vaters als Auszeichnung und Belohnung.
„Die Mutterkuhhaltung ist sein Herzensprojekt, weil er davon voll überzeugt ist und will, dass es
den Tieren gut geht. Wenn ich seinen Umgang mit den Tieren sehe, das Vertrauen, dass sie ihm
entgegenbringen, dann ist das die schönste Bestätigung für seinen selbst gewählten Beruf.“
Das Fleisch, das der Biobauernhof anbietet, ist meist innerhalb von wenigen Tagen vorbestellt und
ausverkauft. Ihm sei, das betont Manfred Zapf mehrmals, es immens wichtig, dass das Preis-Leistungs-
Verhältnis stimmt. Das heißt für ihn, dass er zwar höhere Preise verlangt, aber auch die Garantie gibt,
dass die Tiere bei ihm zwei Jahre lang ein gutes Leben gehabt und bei der Schlachtung keinem unnötigen
Stress ausgeliefert gewesen seien. Auf ihrer letzten Fahrt zur Metzgerei Stützinger nach Lanzendorf sind
die Tiere paarweise unterwegs. Schon die Tage zuvor stehen sie zusammen, damit sie einander
kennen und auch auf dem Transport möglichst wenig Stress ausgesetzt sind. Die Nachfrage nach
dem Fleisch seiner Angusrinder wachse, sagt er. „Ich bin froh und dankbar, dass offensichtlich bei
immer mehr Menschen ein Umdenken eingesetzt hat, was den Fleischkonsum betrifft. Ich bereue
die Umstellung keinen Tag.“


Beim Verladen von zwei Rindern hat sich Manfred Zapf in der vergangenen Woche das Handgelenk
gebrochen, zumindest für einige Wochen ist er zwangsweise ruhiggestellt. Das hält ihn aber nicht
davon ab, mehrmals am Tag bei seinen Tieren vorbeizuschauen.


Meist ist Hündin Frieda dabei, die heimliche Chefin des Hofes. Am Stall angekommen, springt sie mit
Vorliebe auf die großen Heuballen, weil sie von dort den schönsten Überblick hat. Annika und Kristina
Zapf kennen die Tiere alle beim Namen. Und hier ist die nächste Gelegenheit für große Augen
und so manchen großen Lacherfolg, denn die Kälberjahrgänge haben Mottonamen. „Unseren ersten
Kälberjahrgang 2014/15“, erzählt Annika, „haben wir nach dem Motto „Königskinder“ benannt.
Da gab es Mette, Carlos, William, Camilla, Philipp und Franz Ferdinand, der heute noch bei uns im
Stall steht.“ Im Jahr darauf gab das Wagnerjahr die Richtung vor. Richard, Cosima, Wotan, Freya,
Lohengrin und das Zwillingspärchen Tristan und Isolde kamen am Hilpertsgraben zur Welt.
Und die Kälbchen von 2016/17 haben Sängernamen: Samu, Heino, Rae, Bono, Madonna, Xavier,
Adele und die Zwillinge Nena und Kim Wilde. „Ich habe ein Level mit diesem Hof erreicht, mit dem
ich hochzufrieden bin“, sagt Manfred Zapf. „Ich schaffe die Arbeit, meinen Tieren geht es gut und
wir können viel verlorenes Wissen wiederbeleben. Ich habe einen Traumberuf.“

INFO: Manfred Zapf gibt den Grünen Faden weiter an Elfriede Dollhopf.
„Sie arbeitet in der Palliativbetreuung, und ich habe einen Riesenrespekt vor ihr und ihrer Arbeit.
Was sie leistet, ist ein Segen für so viele Menschen, und mein Besuch auf der Palliativstation
des Klinikums hat mich sehr ergriffen.“

DER GRÜNE FADEN: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Bayreuth hat 73 000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den
vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatzoder beim Metzger.
Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an
jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte.
So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.



Frieda ist die heimliche Chefin am Hilpertsgraben. Mit Vorliebe springt sie
auf die Heuballen im Stall, weil sie von hier oben den schönsten Überblick
über Manfred Zapf und die Angusrinder hat. Fotos: Andreas Harbach
„Der Beruf des Landwirts,
so wie ich ihn
heute ausführe,
ist ein echter Traumjob“.
KURIER-SERIE
GRÜNER FADEN
16 Lokal - Extra Nordbayerischer Kurier | Dienstag, 7. März 2017

 
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